Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät
Bonfrer et al. 2014

Bonfrer et al. 2014

Bonfrer, I., van de Poel, E., Grimm, M., van Doorslaer, E. (2014), Does Health Care Utilization Match Needs in Africa? Health Policy and Planning, 29, 7, 921-937.

Die Autoren untersuchen mit Hilfe eines einzigartigen Mikrodatensatzes den Zugang und die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen in 18 afrikanischen Ländern. Sie finden dabei erhebliche soziale Ungleichheiten. Die tatsächliche Versorgung ist nur schwach mit den Bedürfnissen korreliert, sondern erklärt sich hauptsächlich durch Einkommens- und Vermögensunterschiede. Die Ungleichheiten fallen in den Ländern mit überdurchschnittlich guter Regierungsführung und einer höheren Dichte an Ärzten allerdings weniger gravierend aus.

Zusammenfassung:

Eine gerechte Gesundheitsversorung, die sich nach den Befürfnissen der Bevölkerung richtet und nicht nach deren Kaufkarft ist typischerweise ein wichtiges Ziel der Gesundheitspolitik. In Sub-Sahara Afrika ist allerdings nur wenig über die Verteilung von Gesundheitsleistungen bekannt,  insbesondere nicht über verschiedene sozio-ökonomische Gruppen. Wir ziehen in dieser Studie vergleichbare Mikrodatensätze aus 18 verschiedenen Ländern heran und finden beachtliche Unterschiede im Zugang zu und der Nutzung von Gesundheitsleistungen. Für fast alle analysierten Länder stellt sich heraus, dass die Nutzung von Gesundheitsleistungen unter reichen Haushalten wesentlich höher als unter armen Haushalten ist. Wird diese Ungleichheit zerlegt, zeigt sich, dass das Haushaltsvermögen der mit Abstand größte Treiber dieser Ungleichheit ist. In 12 der 18 Länder ist Vermögen für mehr als die Hälfte der beobachteten Ungleichheit verantwortlich. In 8 Ländern erklärt das Vermögen mehr der Ungleichheit, als Bedürfnisse, Bildung, Beschäftigung, Familienstand und Urbanität zusammen. Für die reicheren Länder, insbesondere Mauritius, Namibia, Südafrika und Swasiland ist der Beitrag des Vermögens weniger wichtig. Da der Großteil der Ungleichheit nicht unmittelbar mit den Bedürfnissen zusammenhängt und arme Menschen aufgrund ihrer geringen Kaufkraft weniger Leistungen in Anspruch nehmen, ist die Nutzung von Gesundheitsleistungen in diesen Ländern sehr ungleich. Auf der makoökonomischen Ebene finden wir eine bessere Übereinstimmung zwischen Befürfnissen und Inanspruchnahme in denen Ländern, die eine besseren Regierungsführung und mehr Ärtzte aufweisen.

Health Policy and Planning ist eine der führenden internationalen Zeitschriften zu Fragen der Gesundheitsökonomie und der Gesundheitsversorgung. (Journal Ranking: Health Policy and Services 7/70; Health Care Sciences and Services 13/85; Impact Factor: 3.442)

Hier finden Sie den Artikel zum Download.