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Cluster-Forschung: "Ein spannendes Feld"

Das bekannteste regionale Cluster ist wohl das Silicon Valley in Kalifornien: Dr. Elisabeth Müller erforscht die Strukturen dieser Gebilde und verrät im Interview, was sie daran fasziniert.

Dr. Elisabeth Müller, Foto: Valentin Brandes

Seit 2008 forscht Dr. Elisabeth Müller u.a. zu regionalen Clustern. Der Forschungsschwerpunkt der jungen Wissenschaftlerin, die am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Management tätig ist, liegt hierbei auf der Analyse von Governance-Strukturen und Prozessen der unternehmerischen Zusammenarbeit in regionalen Clustern.

Frau Dr. Müller, was bedeutet "Cluster-Forschung"?

Cluster-Forschung beschäftigt sich mit regionalen Clustern. Dabei handelt es sich um räumlich konzentrierte Gruppen von Unternehmen derselben oder ähnlicher Branchen, die im Austausch mit regionalen Institutionen stehen und durch Wettbewerb und Kooperation die eigene Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit steigern. Das bekannteste regionale Cluster der Welt ist sicherlich das Silicon Valley in Kalifornien, das eine einzigartige Bündelung von Fachkräften, Know-How, Unternehmen und Kapital aufweist. Mit dem Erfolg des Silicon Valley wuchsen die politischen Bestrebungen, derartige Innovations- und Wettbewerbskräfte auch andernorts zu fördern und teils auch künstlich zu erzeugen.

Mit dem Phänomen der regionalen Cluster beschäftigen sich unterschiedliche Fächer, so z.B. die Geografie, die Volkswirtschaftslehre oder eben die Betriebswirtschaftslehre. Die Management-Forschung als Teilbereich der betriebswirtschaftlichen Forschung befasst sich dabei v.a. mit Fragen rund um den Zusammenhang zwischen regionalen Clustern und der Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit von Unternehmen.

Was wird in der Cluster-Forschung thematisch untersucht?

Bei der Cluster-Forschung gibt es je nach Erkenntnisinteresse unterschiedliche Herangehensweisen. Aus der Perspektive der Management-Forschung ergeben sich Fragestellungen auf drei Ebenen: der Makro-, Meso- und Mikroebene. Auf der Makroebene werden beispielsweise die politischen Rahmenbedingungen erforscht, in denen Clusterinitiativen als Instrumente der Regionalförderung konzipiert werden und in denen sich regionale Cluster letztlich bewegen. Auf der Mesoebene steht das Cluster als Netzwerk im Vordergrund. Dabei wird untersucht, wie die Steuerung des Clusters funktioniert und wie die Führung eines Clusters aussehen kann. Die Frage nach der Führung eines Clusters zielt darauf ab, zu analysieren, wie das Clustermanagement die Unternehmen im Cluster im Sinne einer gemeinsamen Strategie führen kann, ohne über Weisungs- oder Hierarchieinstrumente zu verfügen. Auf der Mikro-Ebene werden beispielsweise Wettbewerbsstrategien von Unternehmen in Clustern und in Nicht-Cluster-Regionen untersucht sowie deren Performance verglichen.

Zu welchen Themen forschen Sie aktuell?

Meine aktuellen Projekte zu regionalen Clustern beziehen sich auf die Meso- und Mikroebene. Auf der Mesoebene erforsche ich beispielsweise die strukturelle Ausgestaltung von Clustern und die Geschäftsmodelle von Clusterorganisationen. Clusterorganisationen fungieren als Plattformen, die verschiedene Aktivitäten und Dienstleistungen im Cluster anbieten. Während die Geschäftsmodelle von Unternehmen in der jüngeren Managementforschung große Aufmerksamkeit erfahren haben, wurden die Geschäftsmodelle von Clusterorganisationen noch nicht näher betrachtet. Mehr über die Geschäftsmodelle von Clustern zu erfahren, ist jedoch grundlegend für die Analyse des Clustererfolgs.

Auf der Mikroebene interessiere ich mich dafür, was ein regionales Cluster zusammenhält. Gemeinsam mit einer Kollegin untersuche ich die sozialpsychologischen Prozesse, die einer dauerhaften Zusammenarbeit von kleinen und mittelständischen Unternehmen in regionalen Clustern zugrunde liegen. Wir gehen der Frage nach, inwiefern sich Unternehmen mit dem Cluster als Ganzes identifizieren und wie eine hohe Clusteridentifikation zu einem cluster-förderlichen Verhalten auf Seiten der Unternehmen und damit zu positiven Clustereffekten führt.

Warum ist die Cluster-Forschung so interessant?

Für mich ist es deshalb so spannend, weil in regionalen Clustern die Akteure aus unterschiedlichen Ebenen zusammenarbeiten. Innerhalb des regionalen Clusters und zwischen den beteiligten Unternehmen entwickeln sich komplexe Beziehungskonstellationen und Dynamiken, die viel Raum für Forschung und vielfältige Fragestellungen lassen. Wir haben uns in unseren Forschungsprojekten sowohl qualitativ als auch quantitativ intensiv mit regionalen Clustern und ganzen Clusterinitiativen, wie z.B. der Cluster-Offensive Bayern, beschäftigt und hier Einblicke in die Funktionsweise solcher Plattformen bekommen. Das bringt uns thematisch dann u.a. in die Nähe von Inkubatoren und Gründungszentren, was ein angrenzendes und ebenso spannendes Feld darstellt.

Wie sieht die Zukunft der Cluster-Forschung aus? Welche Felder werden in Zukunft analysiert?

Ich glaube, dass wir auch in Zukunft vielfältige Fragen aus den drei verschiedenen Ebenen stellen werden. Außerdem denke ich, dass wir davon profitieren werden, Theorien, die aus anderen Untersuchungskontexten bekannt sind, wie z.B. verhaltenswissenschaftliche Theorien aus der Teamforschung, auf die Zusammenarbeit in Clustern zu übertragen.

Mehr Informationen:

Präsidentin Prof. Dr. Carola Jungwirth hat unter anderem für ihre wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet des internationalen Managements die bayerische Europa-Medaille erhalten.

 

 

| 16.06.2017

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